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Salpeterer

 

Salpetersieder (auch Saliterer, Salvaiter oder Salpeterer) ist die (historische) Bezeichnung eines Berufes, der mit der Einführung des Schwarzpulvers große militärische Bedeutung erlangte, weil Salpetersieder den zur Herstellung des Pulvers notwendigen Salpeter (den Saliter, genauer Kaliumnitrat bzw. das Ausgangsmaterial Kalksalpeter) sammelten und beschafften.

Darüber hinaus werden die Aufständischen der Salpetererunruhen im südbadischen Hotzenwald als „Salpeterer“ bezeichnet. Der Name leitet sich von deren Anführern her, die den Beruf einst ausgeübt hatten. Diese Namensgebung entstand allerdings erst durch die Geschichtsschreibung im frühen 19. Jahrhundert

 

Salpetergewinnung

Der Mauersalpeter wurde aus dem Erdboden und von den Mauern von Ställen und Wohnhäusern gewonnen, weil er sich dort aus dem im Boden vorhandenen Kalk und den nitrathaltigen Exkrementen und Urin der Tiere und Menschen bildete. Zur Kalisalpetergewinnung wurde der Boden ausgegraben, mit Pottasche versetzt und ausgewaschen, wobei Calciumcarbonat ausfiel und zurückblieb. Man erhielt eine salzhaltige Lösung mit Kalisalpeter.

Dieser wurde durch Eindampfen bzw. Sieden als gesättigte Lösung erhalten. Da sich Kalisalpeter im Verhältnis zu vielen anderen Salzen in heißem Wasser deutlich besser löst als in kaltem, kristallisiert beim Abkühlen der gewünschte Salpeter zuerst aus. Durch Wiederholung dieses Umkristallisierens wurde die gewünschte Reinheit erhalten. Häufig wurde der Mauersalpeter auch durch Abschaben an Lehmwänden von Gruben gewonnen, welche der Verrieselung von Urin dienten (siehe Komposttoilette).

Salpetersieder war ein nicht sesshafter Beruf, er musste durchs Land von Dorf zu Dorf ziehen und mit Vollmacht der Landesherren die Anwesen der Bauern durchwühlen. Der Salpetersieder durfte die Böden von Stuben und Kammern aufreißen, Mauerstücke herausbrechen, Balken absägen und die salpeterhaltigen Teile mitnehmen. In seiner Hütte verkochte er die salzhaltige Erde in einer Sudpfanne mit Pottasche und schied den Kalisalpeter ab. Dieser wurde in Säcke gefüllt, beim Pfleger abgeliefert und ging von dort in Sammelposten in die Residenzstadt. Manche Salpetersieder (bzw. Salpetergräber) gewannen ihr Produkt auch in Salpetergärten, in denen, ähnlich wie bei den Guanolagerstätten am Meer, die Ausgangsstoffe für den Salpeter, also tierische Abfälle etc. sowie Kalk aufgehäuft wurden. Auch Massengräber auf historischen Schlachtfeldern wurden später von Salpetersiedern verwertet und können daher teilweise kaum mehr von der Archäologie untersucht werden.

Der Salpetersiederberuf verlor an Bedeutung, als 1820 große Naturvorkommen von Natronsalpeter in Chile und Guano an den Steilküsten des Südpazifiks entdeckt wurden. Im Heimatmuseum in Görwihl ist eine alte Salpetersiederei nachgebildet.

 

Salpeterer als Plage

Wegen ihrer Vorgehensweise wurden Salpetersieder als Plage angesehen. Ihrerseits jedoch waren sie vertraglich zur Ablieferung einer gewissen Mindestmenge von Salpeter an den Landesherren verpflichtet. Es gab für die Betroffenen keine Möglichkeit, sich vor dem Saliterer zu schützen, es sei denn, man hielt ihn sich durch Geldzuwendungen vom Leibe. Unzählige Beschwerden über das rücksichtslose Vorgehen der Saliterer führten im Kurfürstentum Bayern lediglich 1798 zu einer Verfügung, welche den Adeligen und Pfarrern Erleichterung verschaffte.

 

Salpeter-Unruhen

Die Salpeterer-Unruhen waren mehrere Bauernaufstände, die sich im Hotzenwald des 18. und 19. Jahrhunderts ereigneten. In der „Grafschaft Hauenstein“, einem Verwaltungsbezirk des ehemaligen Vorderösterreich, gab es Anfang des 18. Jahrhunderts eine Besonderheit in den absolutistisch regierten deutschen Staaten. Hier hatte sich eine Schicht „freier“ Bauern erhalten, die sich direkt und ausschließlich dem habsburgischen Kaiserhaus zugehörig wussten. Außerdem gab es seit dem Mittelalter eine bäuerliche Selbstverwaltung auf dem „Wald“, wie damals der südliche Schwarzwald kurz genannt wurde.

In acht Einungen hatten zum Beispiel alle männlichen Einwohner das Recht, ihre Vertreter, die „Einungsmeister“, selbst zu wählen, und diese wiederum besaßen eigene Rechte und Pflichten. Ihr „Redmann“, das war der jeweils gewählte Sprecher der Einungsmeister, saß sogar als Vertreter der Hauensteiner Einungen bzw. der „Landschaft“ neben den Städten und dem Adel mit Sitz und Stimme bei den Breisgauer Ständen in Freiburg. Die direkte Unterstellung unter das Kaiserhaus, das im Verwaltungsbezirk „Grafschaft Hauenstein“ durch den in Waldshut ansässigen Waldvogt vor Ort vertreten war, und die Einungsverfassung waren die zentralen Inhalte der Freiheit, für deren ungeschmälerten Erhalt sich die Bauern einsetzten. Sowohl die Herausbildung dieser Freiheiten als auch deren Ausgestaltung hatte mit jenen Freiheiten, die die Stedinger an der Unterweser (im dreizehnten Jahrhundert), die Friesen oder die Dithmarschen (im sechzehnten Jahrhundert) in harten Kämpfen verteidigten und dabei ganz oder teilweise verloren, wenig zu tun. 

Dennoch sind die Freiheiten von niedersächsischen, bayerischen und der schwäbisch-alemannischen Bauern im Südschwarzwald und in den Alpenregionen vergleichbar, wenn daran erinnert wird, dass sie diese von den jeweiligen Landesherren für besondere Leistungen erhielten: für Land, das dem Meer oder dem Wald abgerungen wurde, oder Freiheiten, die sie sich bewahrten, weil sie in den unwirtlichen Alpentälern siedelten und Alpenübergänge ermöglichen halfen. Auch für die freien Bauern und die bäuerliche Selbstverwaltung in der südwestlichen Schwarzwaldregion sind die Freiheiten, die sie sich bis ins achtzehnte Jahrhundert hinein bewahrten, als Dank für Rodungsleistungen aus dem zwölften und dreizehnten Jahrhundert zu betrachten.

Görwihl war Hauptort der Einungen. Hier fanden vor dem Gasthaus „Adler“ die alljährlichen Einungsmeisterwahlen statt. Alle Einwohner waren auf diese Einungsverfassung stolz. Parallel hierzu hatten im Verlaufe von Jahrhunderten in der Grafschaft die Mönche des Klosters St.Blasiens in ihrem Zuständigkeitsbereich, dem „Zwing und Bann“, Bauern angesiedelt, die als Leibeigene das Land urbar machten. Das Kloster St.Blasien war von Generation zu Generation ein immer mächtigerer Grundherr geworden und hatte Leibeigenschaft und Hörigkeit in die Regionen der freien Bauernschaft u. a. um Görwihl, Hochsal oder Birndorf ausgedehnt.

Klosterherrschaft einerseits und Einungswesen sowie freie Bauernschaft andererseits waren Konfliktpotenziale, die immer wieder zu hitzigen Auseinandersetzungen führten. So nahm der Bauernkrieg in dieser Region seinen Ausgang und fand in Kunz Jehle von Niedermühle einen seiner herausragenden Führer. Auch am Anfang des achtzehnten Jahrhunderts regte sich Widerstand. Einer, der Gefahren für Freiheit und Verfassung heraufziehen sah, war der Bauer und Salpetersieder Johann Albiez aus Buch. Der damals schon über Siebzigjährige genoss großes Ansehen im Wald. Seine Agitation gegen das Kloster und für die „alten Rechte und Freiheiten“ fand Gehör. Und als im Mai 1727 die Bewohner der Grafschaft einem neuen Abt, Franz II. Schächtelin ein Treuegelöbnis ablegen sollten, verweigerten sie die „Huldigung“. Die Verweigerung der Huldigungsleistung gegenüber einer Obrigkeit aber galt als Aufstand. Es wurde Militär auf den Wald geschickt und in die Bauernhöfe einquartiert, so dass der Widerstand gegen die Huldigungsleistung rasch zusammenbrach. Der Salpeterer-Hans saß währenddessen in Freiburg im Breisgau, dem damaligen vorderösterreichischen Regierungssitz, im Gasthaus „Bären“ in Arrest. Dort starb er im September 1727. Andere Bauern, wie Johannes Thoma oder Josef Meyer übernahmen die Führung der Salpeterer, wie sie nun genannt wurden, und sorgten dafür, dass das Misstrauen gegen das Kloster und seine Bestrebungen, aber auch gegenüber den anderen Obrigkeiten nicht einschlief. Unter der Bauernschaft selbst bildeten sich Gruppen für und gegen die salpeterischen Bestrebungen und verschärften die Situation. Die den Salpeterern gegenüberstehenden Bauern nannte man nach den Namen der Anführer die „Tröndlinschen“ oder auch die „Ruhigen“.

Die „Salpetererkriege“, wie sie hier und da auch genannt wurden, fanden darum auch überwiegend zwischen den gegnerischen Bauerngruppen statt – also jenen, die gegen den Ausverkauf alter Rechte und Freiheiten unüberhörbar Widerstand leisteten und den anderen, die zwar dasselbe wollten, aber andere „ruhige“ Wege beschreiten wollten, wie zum Beispiel sich frei zu kaufen. Als aber das Kloster sich 1738 entschloss, in den von den Einungen betriebenen Freikauf aller Bauern in den Einungsbezirken einzuwilligen und eine Volksabstimmung eine Mehrheit für den Loskauf erbrachte, wollten die salpeterisch gesinnten Einungsgenossen nicht zahlen, als der Zahlungstermin heranrückte. Es kam sogar zu einem Treffen zwischen einem Bauernaufgebot der Unruhigen auf der einen und Militär auf der anderen Seite im Mai 1739 bei Etzwihl. Schüsse trieben die Bauern in die Flucht. Dieser zweite Salpetereraufstand endete mit Todesurteilen gegen einige Anführer.

1745 kam es zu zwei weiteren Unruheperioden. Im Frühling gab es sogar für zwei Wochen eine „Salpetererregierung“ in der Grafschaft, und im Herbst versuchten die Salpeterer zweimal, Waldshut zu stürmen, um dort einige inhaftierte Gesinnungsgenossen zu befreien. Diese Belagerung und versuchte Erstürmung von Waldshut und in diesem Zusammenhang stattfindende große nächtliche Schlägereien zwischen „Unruhigen“ und „Ruhigen“ oberhalb Schmitzingen bildeten einen vorläufigen Schlusspunkt der Salpetererunruhen.

Es gärte aber "auf dem Wald" noch einige Jahre weiter. Erst mit der Deportation aller führenden Salpetererfamilien nach Saderlach erloschen die Unruhen zunächst. Sie fanden jedoch im neunzehnten Jahrhundert eine religiös legitimierte und stark veränderte Neuauflage. Auch diese neue widerständige Bewegung, deren Vertreter sich durchaus in der Tradition der ursprünglichen Salpeterer sahen, machte den Behörden zu schaffen.

Inzwischen war dieser südliche Teil des Schwarzwaldes, die ehemalige „Grafschaft Hauenstein“, wie auch andere Teile Vorderösterreichs im Zuge des Wiener Kongress 1815 an das neue Großherzogtum Baden gefallen. Die bis dahin katholischen Gebiete standen unter der Herrschaft eines evangelischen Großherzogs und seiner Verwaltung. Die Bewohner der Grafschaft, die am althergebrachten Kaiserhaus Habsburg hingen und sich mit ihm identifizierten, betrachteten die neue Regierung mit großem Misstrauen.Die vielen Veränderungen, die der Wechsel der Zugehörigkeit mit sich brachte und die parallel liefen mit Veränderungen in Wirtschaft und Kultur, schufen Unruhe und provozierten Widerstand.

Im neunzehnten Jahrhundert beschränkten sich die neuen „Salpeterer“ auf passive Formen des Widerstandes, wenn sie sich weigerten, ihre Kinder in die Schulen zu „unkatholischen“ Lehrern zu schicken oder nicht mehr in die Kirchen gingen, in denen Priester eines Reformkatholizismus (Wessenbergianismus) predigten. Unbeliebt war auch der Impfzwang. Mit der Zeit bröckelte dieser Widerstand. Nur ein harter Kern blieb übrig. Das waren auch damals die „Fundamentalisten“. Sie bildeten mit den Jahren eine Vereinigung heraus, die erst im zwanzigsten Jahrhundert allmählich erlosch.

Wenn man beide widerständige Bewegungen auf ihre Gemeinsamkeiten prüft, dann besteht die größte Übereinstimmung darin, dass sich hier Personen beziehungsweise Personengruppen dagegen wehrten, dass sie von einer Obrigkeit gezwungen wurden, etwas zu tun oder zu lassen, was sie nicht wollten, weil es nach ihrer Überzeugung gegen Brauch und Herkommen war.

Widerstands- und Protestbewegungen, die an überkommenen Verfassungen nichts geändert sehen möchten – ganz gleich ob es sich um politische, wirtschaftliche, kulturelle oder andere, das Alltagsleben berührende Gegebenheiten handelt – haben in Deutschland eine lange Tradition. Aber auch revolutionäre Bewegungen gab es, also Bestrebungen, die vorhandene politische und wirtschaftliche Machtverhältnisse abschaffen und erneuern wollten. Nur sehr selten führten sie zum Siege. Es unterlagen bis in die Gegenwart hinein meistens die Widerständigen gegen die staatlichen Gewalten, die das Militär zu ihrer Verfügung und die Gesetze auf ihrer Seite hatten und einsetzten.

Noch eine Anmerkung: Die Salpetererunruhen waren keineswegs eine "revolutionäre" Bewegung. Sie lassen sich aber mit Fug und Recht einordnen in eine Geschichte der "Widerstandsbewegungen".

 

In Görwihl erinnert im Heimatmuseum eine Salpetersiederei an ein altes Handwerk und die widerständigen Bauern.

 

Das Hotel am Hochrhein ist der ideale Ausgangspunkt, um die Kultur und Sehenswürdigkeiten im Schwarzwald und den Hotzenwald zu erforschen.

 

Zum einen liegen für Sie in der Lobby eine große Auswahl an Prospekten zu den bekannten und etwas weniger bekannten Ausflugszielen aus, zum anderen beraten wir Sie jedoch auch gerne und geben Ihnen auch Mal einen „Insider-Tip“ für einen besonderen Ausflug in unserer Region.

 

 

 

 

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Salpeterer

Hotel am Hochrhein - Blick auf den Rhein

Salpetersieder (auch Saliterer, Salvaiter oder Salpeterer) ist die (historische) Bezeichnung eines Berufes, der mit der Einführung des Schwarzpulvers große militärische Bedeutung erlangte, weil Salpetersieder den zur Herstellung des Pulvers notwendigen Salpeter (den Saliter, genauer Kaliumnitrat bzw. das Ausgangsmaterial Kalksalpeter) sammelten und beschafften.

Darüber hinaus werden die Aufständischen der Salpetererunruhen im südbadischen Hotzenwald als „Salpeterer“ bezeichnet. Der Name leitet sich von deren Anführern her, die den Beruf einst ausgeübt hatten. Diese Namensgebung entstand allerdings erst durch die Geschichtsschreibung im frühen 19. Jahrhundert

 

 

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